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17.12.2016 - 11.02.2017


ANGELEHNT


Arbeiten von Antonio Calderara

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Carla Arocha / Stéphane Schraenen






Carla Arocha (*1961) und Stéphane Schraenen (*1971)

In den zehn Jahren ihrer Zusammenarbeit haben Carla Arocha und Stéphane Schraenen eine Verfahrensweise entwickelt, die mithilfe von optischer Illusion und Nachahmung den Wahrnehmungsgewohnheiten des Betrachters oft Streiche spielt und Mechanismen der Sinneserfahrung infrage stellt. Angelehnt, eine geometrische Skulptur, die wie ein dreidimensionaler Vorhang von der Decke des Kunstparterre-Eingangs hängt, 'wirkt' auf den Raum, indem sie sich unaufdringlich in die Architektur des Hauses fügt, als auch Sicht und Durchgang behindert. Die käfigartige Struktur aus gespiegeltem Plexiglas, zum einen Festkörper und zum anderen körperlose Erscheinung zugleich, irritiert den Sinn für Innen und Außen, Volumen und Oberfläche, Transparenz und Spiegelung, Nähe und Distanz. Und stellt dem Betrachter eine Falle, dessen körperliche und geistige Präsenz ein aktiver Bestandteil des Werkes wird. Dies lädt zu eindrücklicher Erfahrung ein und bringt die Betrachtung der elegant abstrakten Form auf Kollisionskurs mit einem Bewusstsein für die Täuschung aller Erscheinungen.

Arocha und Schraenen leben in Antwerpen. Sie haben an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Europa, den Vereinigten Staaten, Zentral- und Südamerika und China teilgenommen. Ein umfassender Abriss ihres Werkes, Persiana, wurde 2014 im CC De Garage, Mechelen, Belgien, ausgestellt.

Pavel Büchler



Antonio Calderara (1903 – 1978)

Von früher Jugend an folgt Calderara seiner Leidenschaft für die Malerei. Seine ersten Bilder entstehen in den Jahren 1913/1914; bereits 1923 findet die erste Einzelausstellung in seinem Heimatort Vacciago oberhalb des Lago d'Orta statt. Bis in die späten 50er Jahre malt er gegenständlich, Personen, Landschaften, Plätze - Motive aus seinem persönlichen Umfeld. Übersetzt diese Inspiration in der Auseinandersetzung mit Piero della Francesca, Giorgio Morandi, später Piet Mondrian und Josef Albers in stille, in sich ruhende, meisterliche Bilder. Besonders die intensive Betrachtung der oft in diffusem Licht sich auflösenden Landschaft des Ortasees, führt ihn nach und nach zu einem völlig eigenen, immer größer werdenden Abstraktionsgrad, öffnet sich zunehmend einer gegenstandslosen Welt. Das greifbar Reale bleibt nur mehr als Erinnerung erhalten. Die Farben sind zart, pastellig, werden transzendiert, entmaterialisiert und gleichzeitig zu einem aus sich selbst heraus leuchtenden Eigenwert verdichtet. Im Jahr 1959 entsteht mit dem kleinformatigen Bild "Rettangoli e quadrati" sein erstes rein abstraktes Bild. Für die zunehmend geometrische Vorgehensweise in seinen Arbeiten prägt er den Begriff des "spazio mentale", des "geistigen Raums". Seine künstlerische Intention hat Calderara selbst formuliert: "Ich möchte das Nichts malen, das das Ganze ist, das Schweigen, das Licht, Maß, Harmonie. Das Unendliche". Das Minimale, das für das Ganze steht. Nun kam der in Oberitalien geschätzte und ausgestellte "Maestro", mit seinem abstrakten Werk über die Alpen in die Schweiz und nach Deutschland, ab 1965 schon nach München, und wurde international zu dem sehr besonderen, aber weiterhin stillen Stern in der Kunstwelt. Wir freuen uns Bilder aus allen Werkphasen jetzt in München zu zeigen - parallel zur Ausstellung im Museo d'arte della Svizzera Italiana, MASI Lugano (bis 22.Januar 2017) und zur Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur (ab Februar 2017).

Maria-Anna Kopp
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